In der Stille / Zwischen Eis und Schnee / Mein offenes Herz

 

I
 
 
In Bewegung sein
– in der Stille, in der Früh –
reglos, doch bewegt
 
 
*
 
 
Ein offenes Herz
bleibt immer in Bewegung,
nie sang- und klanglos
 
 
*
 
 
Hör nur die Vögel –
in aller Frühe, im Schnee
singen sie ihr Lied!
 
 
*
 
 
In aller Stille,
in der Frühe des Morgens,
singen sie – ihr Lied!
 
 
*
 
 
Draußen: Eis und Schnee,
drinnen: Kerzenlicht, Kaffee –
und ein helles Lied
 
 
*
 
 
Mein offenes Herz
bleibt immer in Bewegung –
zwischen Eis und Schnee!
 
 
 
II
 
 
Gestern: die Tränen.
Heute: ein helleres Lied,
ein hellerer Tag!
 
 
*
 
 
Zwischen Eis und Schnee –
dies Herz, das auftaut und singt –
bis mein Himmel blaut!
 
 
*
 
 
Des nachts: die Tränen,
des morgens: das Gedicht – und
der Vogelgesang.
 
 
*
 
 
Alles bewegt sich,
alles bewegt mich: dein Schmerz,
deine Freude!
 
 
*
 
 
Leise fällt der Schnee.
Leise singen die Vögel.
Leise singt mein Herz.
 
 
*
 
 
Leise: die Wehmut,
leise: die Melancholie,
leise: die Hoffnung.
 
 
*
 
 
Leise: die Lieder
des frühen Morgens. Leiser:
das Wort und der Schnee.
 
 
*
 
 
Leise, doch bewegt:
mein offenes Herz. Verletzt –
und doch: unversehrt.
 
 
*
 
 
Solange du singst,
solange du singst, mein Herz,
bleibst du: lebendig!
 
 
 
III
 
 
Draußen: die Stille,
das Eis und der Schnee. Drinnen:
mein Tauwetterlied!
 
 
*
 
 
Nicht gegen den Schmerz,
sondern mit dem Schmerz singst du
– im Duett – dein Lied!
 
 
*
 
 
Und alles, was war,
und alles, was ist und was sein wird
fließt ein – in dein Lied!
 
 
*
 
 
Mein offenes Herz –
du kannst dich nicht schützen – doch
singen – das kannst du!
 
 
*
 
 
Singen kannst du noch –
und solange du singst, bist
und bleibst du: offen!
 
 
*
 
 
Draußen: Eis und Schnee
und leiser Vogelgesang.
Drinnen: das Gedicht.
 
 
*
 
 
Ein offenes Herz
bleibt stets in Bewegung – auch
zwischen Eis – und Schnee!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

20.2.2018

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Tiefstes Yin

 
I
 
 
Winter. Zwei Frauen,
über das I-Ging gebeugt.
Draußen dunkelt es.
 
 
*
 
 
Was sagt das I-Ging?
Es rät zu einem Treffen
mit den Schamanen.
 
 
*
 
 
Doch dieses Treffen
soll nicht schon diese Woche
stattfinden. Noch nicht!
 
 
 
II
 
 
Draußen: die Kälte,
der Schnee. Zwei Frauen, über
das I-Ging gebeugt.
 
 
*
 
 
Ein Winterabend,
die beiden Frauen, der Schnee
und die Dunkelheit.
 
 
*
 
 
Rein und hell wie Schnee
sind die Worte des I-Ging
in der Dunkelheit.
 
 
 
III
 
 
Was spricht das I-Ging?
es sagt mir, was ich schon weiß
und immer wußte.
 
 
*
 
 
Kein einziger Mensch
ist von Natur aus böse!
so spricht das I-Ging.
 
 
*
 
 
Ein inneres Nein
zu Haßgefühlen. Keine
Anschuldigungen.
 
 
*
 
 
Wußte ich das nicht?
das I-Ging erinnert uns
an unser Wissen.
 
 
*
 
 
Das Wissen. Der Schnee.
Reinheit, Klarheit und Helle
in der Dunkelheit.
 
 
 
IV
 
 
Morgens die Worte,
festgehalten, eingebrannt
für die Ewigkeit.
 
 
*
 
 
Ich bin zu müde
für große Taten, doch nicht
für helle Worte!
 
 
*
 
 
Und mein Himmel blaut
inmitten weißer Weite,
im Vogelgesang.

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

8.2.2018

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Hellere Worte / Erde und Licht / Das Geschenk der Gegenwart

für Viola
 

I
 
 
Während das Kind
vergnügt in der Sonne spielt,
Gedichte schreiben.
 
 
*
 
 
Gedichte schreiben.
Hellere Worte suchen –
im Nachmittagslicht.
 
 
*
 
 
Über meinen Zorn
hinauswachsen – Wort für Wort,
Zeile für Zeile.
 
 
 
II
 
 
Vergessen, was war.
Annehmen, was ist. Gespannt
sein: auf die Zukunft.
 
 
*
 
 
Alles wandelt sich.
Aus dem Schlamm wächst die Blüte
der Zukunft hervor.
 
 
*
 
 
Vergessen, was war.
Einen Augenblick lang nur
wahrnehmen, was ist.
 
 
 
III
 
 
Ohne mein Zutun
trägt mich die Erde, erreicht
mich das Sonnenlicht!
 
 
*
 
 
Die Erde trägt uns.
Das Licht erreicht uns. Spüren
wir: Erde und Licht?
 
 
*
 
 
Nehmen wir sie wahr –
als Geschenk der Gegenwart –
in diesem Moment?
 
 
 
IV
 
 
Das Sonnenlicht wärmt
meine Haut, mein Herz, mein Wort –
in diesem Moment!
 
 
*
 
 
Spürst du die Sonne,
spürst du, wie sie für dich schien,
scheint und scheinen wird?
 
 
*
 
 
Zwischen Augenblick
und Ewigkeit die Wärme
der Sonne spüren!
 
 
 
V
 
 
Gott ist die Sonne
und Gott ist das Wort, das dir
aus dem Herzen spricht!
 
 
*
 
 
Du kannst ihn hören:
in der Stille und im Licht –
auch auch: im Dunkeln!
 
 
*
 
 
Auch wenn du denkst,
daß er dich vielleicht nicht hört –
du kannst ihn hören!
 
 
 
VI
 
 
Geh in die Stille
und höre auf das, was er
dir zu sagen hat!
 
 
*
 
 
Hellere Worte
empfangen. Sie aufzeichnen:
im Licht der Sonne.
 
 
*
 
 
Alles als Geschenk
der Gegenwart betrachten:
Wärme, Wort und Licht!
 
 
 
VII
 
 
Sich nur auf das Licht
besinnen, solange es
uns – wärmend – umfängt.
 
 
*
 
 
Sich auf dem Geschmack
des Kaffees und des Lebens
besinnen: hier, jetzt!
 
 
*
 
 
Dankbar das Dasein
begrüßen: jeden Moment,
jeden Augenblick!
 
 
 
VIII
 
 
Achtsamkeit üben.
Den Wind und das Sonnenlicht
auf der Haut spüren.
 
 
*
 
 
Dankbar sein für das
scheinbar Selbstverständliche:
für die heile Haut.
 
 
*
 
 
Sich in seiner Haut
wohlfühlen. Ein Bad nehmen
im Nachmittagslicht.
 
 
 
IX
 
 
Hellere Worte
suchen, finden, aufzeichnen:
im Licht der Sonne!
 
 
*
 
 
Den Frühling spüren,
dessen Hauch in der Luft liegt –
im Nachmittagslicht!
 
 
*
 
 
Vergessen, was war.
Gespannt sein auf das, was kommt.
Annehmen, was ist.
 
 

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

6.2.2017

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Nemesis

I
 
 
Haben wir die Wahl
zwischen hellen und dunklen
Worten und Taten?
 
 
*
 
 
Wenn wir dankbar sind,
können wir nicht gleichzeitig
zornig sein. Oder?
 
 
*
 
 
Irgendwo las ich
den Satz: der Narr wird zornig,
der Weise versteht.
 
 
*
 
 
Wo stand dieser Satz?
Auf einer Speisekarte
beim Lieblingsinder.
 
 
*
 
 
Eine lapprige,
klebrige Speisekarte –
und ein weiser Satz!
 
 
*
 
 
Doch wenn wir niemals
zornig werden, können wir
uns niemals wehren!
 
 
*
 
 
Vielleicht ist die Kunst
diese: zornig zu werden –
doch nicht für immer?
 
 
*
 
 
Vielleicht könnten wir
auch zornig sein – und später
– vielleicht – verzeihen?
 
 
 
II
 
 
Am liebsten hätte
ich ihm geschrieben: ich bin
deine Nemesis!
 
 
*
 
 
Ich bin die Göttin
des gerechten Zornes! hätte
ich ihm geschrieben!
 
 
*
 
 
Du sollst bereuen,
was du uns angetan hast!
Immer und ewig!
 
 
*
 
 
Jede Sekunde
deines Lebens lang sollst du
bereuen: Alles!
 
 
*
 
 
Dein Leben lang sollst
du bereuen und büßen!
Jede Sekunde!
 
 
*
 
 
In der Hölle sollst
du schmoren für all deine
Taten! Für immer!
 
 
 
III
 
 
Gibt es einen Zorn,
der gerecht wäre? Gibt es
eine Nemesis?
 
 
*
 
 
Ist denn nicht jeder
Täter früher auch einmal
Opfer gewesen?
 
 
*
 
 
Ich kann niemandes
Nemesis sein – und mein Zorn
kann nicht gerecht sein!
 
 
*
 
 
Zorn kann wichtig sein,
Zorn kann nachvollziehbar sein,
doch niemals: gerecht!
 
 
*
 
 
Wer kann entscheiden,
war Täter und wer Opfer
war, ist und sein wird?
 
 
 
IV
 
 
Ich bin kein Opfer
mehr – und schon gar nicht seines!
Ich entscheide mich!
 
 
*
 
 
Ich bin kein Opfer –
und schon gar nicht das seine!
Ich bin mehr als das!
 
 
*
 
 
Ich bin kein Opfer
meines eigenen Zornes!
Ich entscheide mich!
 
 
*
 
 
Ich entscheide mich
für die helleren Worte –
und gegen den Zorn!
 
 
*
 
 
Haben wir die Wahl
zwischen hellen und dunklen
Worten und Taten?
 
 
*
 
 
Früher hatten wir
vielleicht keine Wahl! Heute
haben wir die Wahl!

 
 

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

3.2.2018

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Immer aufs neue

 
 
Immer aufs neue
dankbar sein für das, was ist:
Wind. Sterne. Wolken.
 
 
*
 
 
Frische Morgenluft.
Vögel, die schon erwacht sind.
Kaffee. Tee. Worte.
 
 
*
 
 
Frisch, doch mild: die Luft
am frühen Morgen. Leise:
das Lied der Vögel.
 
 
*
 
 
Der Frühling, dessen
milder Hauch in der Luft liegt.
Mein Kind, das noch schläft.
 
 
*
 
 
Das Bild der Kinder
in meinem Bücherregal.
Alle vier: gesund.
 
 
*
 
 
Munter und gesund:
die Kinder auf diesem Bild –
und in Wirklichkeit.
 
 
*
 
 
Munter und gesund:
mein Liebster und ich. Munter?
Heute morgen schon!
 
 
*
 
 
Die dicke Katze,
die auf samtenen Pfoten
ums Haus herum schleicht.
 
 
*
 
 
Der heiße Kaffee,
unter den Sternen geschlürft.
Das wärmende Wort.
 
 
*
 
 
Der Mond, der langsam
verblaßt. Die Sonne, die schon
bald aufgehen wird.
 
 
*
 
 
Das goldene Licht,
das bald aus der Dunkelheit
hervortreten wird.
 
 
*
 
 
Noch ist es dunkel,
doch im Haus gegenüber
brennen die Lichter.
 
 
*
 
 
Lichter im Dunkel
des frühen Morgens. Sterne
und der leise Wind.
 
 
*
 
 
Der Tag, der so sanft
begann, daß man sagen kaum sagen
kann: der Tag brach an!
 
 
*
 
 
Nichts bricht, alles fließt:
die Nacht fließt in den Morgen,
ins Dunkel fließt Licht!
 
 
*
 
 
Immer aufs neue
dankbar sein für das, was ist:
Dunkel. Sterne. Licht.
 
 
*
 
 
Die Worte im Wind
der Erneuerung. Mein Herz
im Licht der Worte.
 
 
*
 
 
Die Seele im Licht
meiner Dankbarkeit. Mein Dank –
für alles, was ist.

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

30.1.2018

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