Monatsarchiv: November 2017

Ins weiche Weiß / Aus weichestem Weiß

 
 
Endlich fällt der Schnee,
bedeckt das welke Laub, so
weich, so weiß, so fein!
 
 
*
 
 
Lautlos fällt der Schnee
ins Laub. Lautlos fällt der Schnee –
sacht, unendlich sanft.
 
 
*
 
 
Unermeßliche
Stille. Sanftes, leises Weiß –
in der Dunkelheit.
 
 
*
 
 
Endlich fällt er Schnee,
endlich fallen die Worte –
sanft – ins weiche Weiß.
 
 
*
 
 
Lautlos atme ich
die Schneeworte ein – und aus.
Lautlos fällt der Schnee.
 
 
*
 
 
Alter Apfelbaum!
Nun trägst du einen Mantel –
aus weichestem Weiß!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

30.11.2017

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Es gibt kein Tal / Kein dunkleres Leuchten

 
I
 
 
Es gibt kein Tal, das
ich so tief durchwanderte
wie deine Worte!
 
 
*
 
 
In meinen Tiefen
spürte ich sie auf, spürte
ihr dunkles Leuchten!
 
 
*
 
 
Schließlich sah ich dich –
hinter all deinen Worten –
dunkel, doch leuchtend!
 
 
*
 
 
Kein Tal hätte ich
tiefer durchwandern können
als deine Worte!
 
 
*
 
 
Ihre Dunkelheit, ihr Licht
durchwanderte ich:
tagtäglich! Nächtlich!
 
 
 
II
 
 
Wohin führten sie
mich? Sie führten mich schließlich
zurück – zu mir selbst!
 
 
*
 
 
Zurückgeworfen
auf mein eigenes Wort schrieb
und schrieb ich! An wen?
 
 
*
 
 
Ich schrieb an alle,
die jemals ein tiefes Tal
durchwandert hatten!
 
 
*
 
 
All jenen widme
ich meine Worte. Hört ihr?
Euch widme ich sie!
 
 
*
 
 
Euch, die ihr tiefe
Täler durchwandert! Und euch,
die ihr zurückkehrt!
 
 
*
 
 
Unversehrt, versehrt,
wohlbehalten, verletzt kehrt
ihr – zu euch – zurück!
 
 
 
III
 
 
Kein tieferes Tal!
Kein dunkleres Leuchten! Und:
Kein weiteres Wort!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

30.11.2017

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Rauhreifmorgen

 
 
Rauhreifmorgen. Zart:
das erste Wort des Morgens;
rauhreifüberhaucht. –
 
 
*
 
 
Hell und zart: der Reif,
der das Laub überhaucht und
es zum Schimmern bringt.
 
 
*
 
 
In meinem Garten
wächst keine Birke mehr; doch
es glänzt – der Rauhreif!
 
 
*
 
 
Welkes braunes Laub –
nun: rauhreifüberzuckert
– und zum Schmelzen schön!
 
 
*
 
 
Erst die Kälte bringt
des Laubes Schönheit hervor –
angehaucht, bereift!
 
 
*
 
 
Ein Rauhreifmorgen.
Er könnte nicht schöner sein –
ohne die Kälte!
 
 
*
 
 
Ohne die Kälte
gäbe es ihn nicht! Ohne
die Rauheit – kein Reif!
 
 
*
 
 
Rauhreifmorgen. Kalt:
das erste Bild des Tages!
Doch: zum Schmelzen schön!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

30.11.2017

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Sleep ( If I could sleep forever)

The Dandy Warhols: Sleep

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Birkenlamento / An einem Mittwoch

 
 
An einem Mittwoch
fällten und zersägten sie
die tote Birke!
 
 
*
 
 
Vor einer Woche
– an einem Mittwoch – fällten
sie den morschen Baum!
 
 
*
 
 
Wir oft hatte ich
sie schon besungen? Wie oft
schon – meine Liebe?
 
 
*
 
 
Ich liebte sie nicht –
doch ich bewunderte sie –
die alte Birke!
 
 
*
 
 
Verkrüppelt war sie,
schlank, schwarzweiß, uralt, gebeugt –
die alte Birke.
 
 
*
 
 
Im Frühling aber
blühte sie auf! Jung und frisch:
ihr zartes Hellgrün!
 
 
*
 
 
Ich liebte sie nicht –
doch sie wurde zum Sinnbild
all meiner Liebe!
 
 
*
 
 
In meinen Worten
blühte sie auf! Lebt sie fort –
in meinen Worten?
 
 
*
 
 
Die alte Birke
starb: und mit ihr die Liebe,
die Liebe – zu dir!
 
 
*
 
 
An einem Mittwoch
trugen sie sie fort. Schon längst
war sie gestorben!
 
 
*
 
 
In meinem Garten
wuchs und starb der alte Baum!
Es gibt ihn nicht mehr!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

29.11.2017

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