Hellere Worte / Erde und Licht / Das Geschenk der Gegenwart

für Viola
 

I
 
 
Während das Kind
vergnügt in der Sonne spielt,
Gedichte schreiben.
 
 
*
 
 
Gedichte schreiben.
Hellere Worte suchen –
im Nachmittagslicht.
 
 
*
 
 
Über meinen Zorn
hinauswachsen – Wort für Wort,
Zeile für Zeile.
 
 
 
II
 
 
Vergessen, was war.
Annehmen, was ist. Gespannt
sein: auf die Zukunft.
 
 
*
 
 
Alles wandelt sich.
Aus dem Schlamm wächst die Blüte
der Zukunft hervor.
 
 
*
 
 
Vergessen, was war.
Einen Augenblick lang nur
wahrnehmen, was ist.
 
 
 
III
 
 
Ohne mein Zutun
trägt mich die Erde, erreicht
mich das Sonnenlicht!
 
 
*
 
 
Die Erde trägt uns.
Das Licht erreicht uns. Spüren
wir: Erde und Licht?
 
 
*
 
 
Nehmen wir sie wahr –
als Geschenk der Gegenwart –
in diesem Moment?
 
 
 
IV
 
 
Das Sonnenlicht wärmt
meine Haut, mein Herz, mein Wort –
in diesem Moment!
 
 
*
 
 
Spürst du die Sonne,
spürst du, wie sie für dich schien,
scheint und scheinen wird?
 
 
*
 
 
Zwischen Augenblick
und Ewigkeit die Wärme
der Sonne spüren!
 
 
 
V
 
 
Gott ist die Sonne
und Gott ist das Wort, das dir
aus dem Herzen spricht!
 
 
*
 
 
Du kannst ihn hören:
in der Stille und im Licht –
auch auch: im Dunkeln!
 
 
*
 
 
Auch wenn du denkst,
daß er dich vielleicht nicht hört –
du kannst ihn hören!
 
 
 
VI
 
 
Geh in die Stille
und höre auf das, was er
dir zu sagen hat!
 
 
*
 
 
Hellere Worte
empfangen. Sie aufzeichnen:
im Licht der Sonne.
 
 
*
 
 
Alles als Geschenk
der Gegenwart betrachten:
Wärme, Wort und Licht!
 
 
 
VII
 
 
Sich nur auf das Licht
besinnen, solange es
uns – wärmend – umfängt.
 
 
*
 
 
Sich auf dem Geschmack
des Kaffees und des Lebens
besinnen: hier, jetzt!
 
 
*
 
 
Dankbar das Dasein
begrüßen: jeden Moment,
jeden Augenblick!
 
 
 
VIII
 
 
Achtsamkeit üben.
Den Wind und das Sonnenlicht
auf der Haut spüren.
 
 
*
 
 
Dankbar sein für das
scheinbar Selbstverständliche:
für die heile Haut.
 
 
*
 
 
Sich in seiner Haut
wohlfühlen. Ein Bad nehmen
im Nachmittagslicht.
 
 
 
IX
 
 
Hellere Worte
suchen, finden, aufzeichnen:
im Licht der Sonne!
 
 
*
 
 
Den Frühling spüren,
dessen Hauch in der Luft liegt –
im Nachmittagslicht!
 
 
*
 
 
Vergessen, was war.
Gespannt sein auf das, was kommt.
Annehmen, was ist.
 
 

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

6.2.2017

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Nemesis

I
 
 
Haben wir die Wahl
zwischen hellen und dunklen
Worten und Taten?
 
 
*
 
 
Wenn wir dankbar sind,
können wir nicht gleichzeitig
zornig sein. Oder?
 
 
*
 
 
Irgendwo las ich
den Satz: der Narr wird zornig,
der Weise versteht.
 
 
*
 
 
Wo stand dieser Satz?
Auf einer Speisekarte
beim Lieblingsinder.
 
 
*
 
 
Eine lapprige,
klebrige Speisekarte –
und ein weiser Satz!
 
 
*
 
 
Doch wenn wir niemals
zornig werden, können wir
uns niemals wehren!
 
 
*
 
 
Vielleicht ist die Kunst
diese: zornig zu werden –
doch nicht für immer?
 
 
*
 
 
Vielleicht könnten wir
auch zornig sein – und später
– vielleicht – verzeihen?
 
 
 
II
 
 
Am liebsten hätte
ich ihm geschrieben: ich bin
deine Nemesis!
 
 
*
 
 
Ich bin die Göttin
des gerechten Zornes! hätte
ich ihm geschrieben!
 
 
*
 
 
Du sollst bereuen,
was du uns angetan hast!
Immer und ewig!
 
 
*
 
 
Jede Sekunde
deines Lebens lang sollst du
bereuen: Alles!
 
 
*
 
 
Dein Leben lang sollst
du bereuen und büßen!
Jede Sekunde!
 
 
*
 
 
In der Hölle sollst
du schmoren für all deine
Taten! Für immer!
 
 
 
III
 
 
Gibt es einen Zorn,
der gerecht wäre? Gibt es
eine Nemesis?
 
 
*
 
 
Ist denn nicht jeder
Täter früher auch einmal
Opfer gewesen?
 
 
*
 
 
Ich kann niemandes
Nemesis sein – und mein Zorn
kann nicht gerecht sein!
 
 
*
 
 
Zorn kann wichtig sein,
Zorn kann nachvollziehbar sein,
doch niemals: gerecht!
 
 
*
 
 
Wer kann entscheiden,
war Täter und wer Opfer
war, ist und sein wird?
 
 
 
IV
 
 
Ich bin kein Opfer
mehr – und schon gar nicht seines!
Ich entscheide mich!
 
 
*
 
 
Ich bin kein Opfer –
und schon gar nicht das seine!
Ich bin mehr als das!
 
 
*
 
 
Ich bin kein Opfer
meines eigenen Zornes!
Ich entscheide mich!
 
 
*
 
 
Ich entscheide mich
für die helleren Worte –
und gegen den Zorn!
 
 
*
 
 
Haben wir die Wahl
zwischen hellen und dunklen
Worten und Taten?
 
 
*
 
 
Früher hatten wir
vielleicht keine Wahl! Heute
haben wir die Wahl!

 
 

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

3.2.2018

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Immer aufs neue

 
 
Immer aufs neue
dankbar sein für das, was ist:
Wind. Sterne. Wolken.
 
 
*
 
 
Frische Morgenluft.
Vögel, die schon erwacht sind.
Kaffee. Tee. Worte.
 
 
*
 
 
Frisch, doch mild: die Luft
am frühen Morgen. Leise:
das Lied der Vögel.
 
 
*
 
 
Der Frühling, dessen
milder Hauch in der Luft liegt.
Mein Kind, das noch schläft.
 
 
*
 
 
Das Bild der Kinder
in meinem Bücherregal.
Alle vier: gesund.
 
 
*
 
 
Munter und gesund:
die Kinder auf diesem Bild –
und in Wirklichkeit.
 
 
*
 
 
Munter und gesund:
mein Liebster und ich. Munter?
Heute morgen schon!
 
 
*
 
 
Die dicke Katze,
die auf samtenen Pfoten
ums Haus herum schleicht.
 
 
*
 
 
Der heiße Kaffee,
unter den Sternen geschlürft.
Das wärmende Wort.
 
 
*
 
 
Der Mond, der langsam
verblaßt. Die Sonne, die schon
bald aufgehen wird.
 
 
*
 
 
Das goldene Licht,
das bald aus der Dunkelheit
hervortreten wird.
 
 
*
 
 
Noch ist es dunkel,
doch im Haus gegenüber
brennen die Lichter.
 
 
*
 
 
Lichter im Dunkel
des frühen Morgens. Sterne
und der leise Wind.
 
 
*
 
 
Der Tag, der so sanft
begann, daß man sagen kaum sagen
kann: der Tag brach an!
 
 
*
 
 
Nichts bricht, alles fließt:
die Nacht fließt in den Morgen,
ins Dunkel fließt Licht!
 
 
*
 
 
Immer aufs neue
dankbar sein für das, was ist:
Dunkel. Sterne. Licht.
 
 
*
 
 
Die Worte im Wind
der Erneuerung. Mein Herz
im Licht der Worte.
 
 
*
 
 
Die Seele im Licht
meiner Dankbarkeit. Mein Dank –
für alles, was ist.

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

30.1.2018

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Demeter

 

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Bild von meinem 10 järhigen Sohn
28.1.2018

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Gedichte an mein früheres Ich

 

I
 
 
Es wird vorbei sein!
Es wird dir besser gehen!
Du wirst glücklich sein!
 
 
*
 
 
Du wirst Mutter sein!
Vier bezaubernde Kinder!
Ein liebender Mann!
 
 
*
 
 
Du wirst viel schreiben!
Du wirst so vieles lieben:
Dein Leben lieben!
 
 
 
II
 
 
Du wirst den warmen
Wind auf deiner Haut spüren,
wenn der Sommer kommt!
 
 
*
 
 
Du wirst den Sommer
lieben, wirst kurze Röcke
und Kleider tragen!
 
 
*
 
 
Niemand wird sagen:
du siehst ordinär aus! Du
wirst dich schön fühlen!
 
 
*
 
 
Dein Haar wird lang sein!
Du wirst es offen tragen!
Keine Zöpfe mehr!
 
 
*
 
 
Niemand wird sagen:
du siehst verzopft aus! Dein Haar
wird lang und glatt sein!
 
 
*
 
 
Und deine Augen
werden dieselben sein – doch
sie werden strahlen!
 
 
*
 
 
Und deine Lippen
werden dieselben sein – doch
sie werden lächeln!
 
 
*
 
 
Und deine Zähne
werden gerade sein – und
du wirst sie zeigen!
 
 
 
III
 
 
Du wirst viel lachen!
Und manchmal wirst du weinen –
und das ist okay!
 
 
*
 
 
Niemand wird sagen:
hör auf zu heulen, sonst fängst
du dir noch eine!
 
 
*
 
 
Niemand wird sagen:
Heulsuse! und: Rotznase!
Man wird dich trösten!
 
 
*
 
 
Wenn du traurig bist,
wirst du getröstet werden –
von deinen Lieben!
 
 
*
 
 
Man wird dich lieben,
und du wirst lieben können!
Da wird Liebe sein!
 
 
*
 
 
Auch dich selbst wirst du
lieben können! Warte ab!
Du wirst schon sehen!
 
 
 
IV
 
 
Du wirst dein Leben
lieben – an guten Tagen –
und an den schlechten!
 
 
*
 
 
Da werden Freunde
sein: viele Freunde, die dich
verstehen werden!
 
 
*
 
 
Manchmal wirst du dich
selbst nicht verstehen – doch du
wirst dich ergründen!
 
 
*
 
 
Manchmal wirst du dich
wundern, daß du immer noch
am Leben sein wirst!
 
 
*
 
 
Und du wirst froh sein,
am Leben zu sein! Und du
wirst sehr dankbar sein!
 
 
 
V
 
 
Eines Tages wirst
du sagen: ich habe das
alles überlebt!
 
 
*
 
 
Und du wirst sehen:
du wirst sehr gerne leben –
hier – auf dieser Welt!
 
 
*
 
 
Manchmal wirst du dich
selbst nicht wieder erkennen –
morgens – im Spiegel!
 
 
*
 
 
Vielleicht wirst dich
fragen: Bin das wirklich ich?
Ja, das wirst du sein!
 
 
*
 
 
Eine glückliche,
strahlende Frau und Mutter!
Ja, das wirst du sein!
 
 
 
VI
 
 
Eine Dichterin
wirst du sein! Wolltest du das
nicht immer schon sein?
 
 
*
 
 
Nein, das wolltest du
nicht! Kinderbücher wolltest
du später schreiben!
 
 
*
 
 
Was nicht ist, kann ja
noch werden! Vielleicht schreibst du
ein Buch für Kinder?
 
 
*
 
 
Du wolltest zeichnen,
deine Kinderbücher auch
selbst illustrieren!
 
 
*
 
 
Du hast gezeichnet –
und dann damit aufgehört!
Fängst du wieder an?
 
 
*
 
 
Was immer du auch
anfängst mit deinem Leben –
es wird gelingen!
 
 
*
 
 
Es wird gelingen,
weil du alles, was du tust,
mit Freude tun wirst!
 
 
 
VII
 
 
Heute dichtest du!
Nun schreibst du Gedichte an
dein früheres Ich!
 
 
*
 
 
Du ermutigst dein
früheres Ich: Halte noch
eine Weile durch!
 
 
*
 
 
Du wirst das alles
hinter dir lassen! Alles,
was dich heute quält!
 
 
 
VIII
 
 
Niemand wird dich mehr
schlagen! Niemand wird dich mehr
verspotten! Niemand!
 
 
*
 
 
Niemand wird dich mehr
bedrohen! Niemand wird dich
zum Schweigen bringen!
 
 
*
 
 
Niemand wird dich mehr
einschüchtern! Niemand? Niemand!
Niemand, mein Liebes!
 
 
*
 
 
Niemand wird sgen:
Hör sofort auf zu heulen,
Mimose! Niemand!
 
 
*
 
 
Niemand wird lachen,
wenn du weinst, und niemand bringt
dich mehr zum Schweigen!
 
 
*
 
 
Wird alles vorbei
sein? fragt mein früheres Ich.
Ja doch, mein Liebes!
 
 
*
 
 
Es wird vorbei sein –
und etwas neues beginnt:
dein neues Leben!
 
 
 
IX
 
 
Und es wird helle
und dunkle Tage geben!
Auch dunkle Tage?
 
 
*
 
 
Ja doch, mein Liebes!
Doch die dunkelsten Tage
wirst du auch lieben!
 
 
*
 
 
Denn die dunklsten
Tage werden heller als
die heutigen sein!
 
 
*
 
 
Du wirst wissen, was
das Wort „Heilung“ bedeutet –
und du wirst heil sein!
 
 
*
 
 
Wirst du geheilt sein?
Nein, Liebes, doch dein Leben
wird dir heilig sein!
 
 
 
X
 
 
Du wirst dein Leben
lieben! Den Mond, die Sterne,
die Sommernächte!
 
 
*
 
 
Auch den Winterwind
wirst du lieben, den Schnee – und
das Kaminfeuer!
 
 
*
 
 
Deine Kinder wirst
du lieben, deinen Mann und
all deine Freunde!
 
 
*
 
 
Du wirst unendlich
viele Menschen und Dinge
lieben, mein Liebes!
 
 
*
 
 
Du wirst sprechen. Man
wird dir zuhören. Du schreibst.
Man wird dich lesen.
 
 
 
XI
 
 
Deine Geschichte
wird einen Sinn ergeben!
Du wirst schon sehen!
 
 
*
 
 
Kannst du diesen Brief,
den ich dir heute schreibe,
lesen und verstehen?
 
 
*
 
 
Hörst du die Stimme,
die aus der Zukunft zu dir
spricht, mein liebes Kind?
 
 
 
XII
 
 
Kannst du mich hören?
Ich bin dein späteres Ich,
das nun zu dir spricht!
 
 
*
 
 
Es wird vorbei sein!
Es wird dir sehr gut gehen!
Du wirst glücklich sein!
 
 
*
 
 
Es wird vorbei sein –
und etwas neues beginnt!
Du wirst es lieben!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

27.1.2017

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