Monatsarchiv: Dezember 2014

Weiß auf Weiß

 

Weiße Flocken,
ein heller Himmel,

die Kälte zeigt uns
ihr schönstes Gesicht –

lautlos
fällt Schnee

an unserem Fenster
vorbei,

lautlos
fällt uns

der Schnee

ins Wort

 

Aus: Uferzeilen, Hannah Buchholz 2008

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Lass mich

 
weich sein,
geschmeidig sein,

biegsam sein,
versuche bloß nicht,

dich
oder mich

gerade zu biegen!
Lass doch

mal lieber
Fünfe

gerade sein…!
Lass uns

mal so sein,
wie wir sind,

so weich
und so hart,

so biegsam und so stark
und so verletzlich

wie wir nun einmal sind,
wir,

die wir Menschen sind
trotz all unserer

Spiritualität,
trotz all unserer

kompensatorischen
Vergeistigtheit,

trotz
und inmitten

all unseres Strebens
nach dem Höheren,

nach dem Höchsten,
lass uns,

verdammt noch mal,
weich bleiben,

weich und geschmeidig
und biegsam

und formbar
und immer wieder

überraschend
und neu.

Wir können nicht
unsere eigenen Herren sein,

noch können wir die Herren
anderer sein,

unser Herr
ist ganz woanders

und doch finden wir
ihn auch

verborgen,
tief,

ganz tief

in uns selbst

 
30.12.2014

Hannah

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Es ist unumgänglich

Du musst feiern, Du musst der Amnesie, der Roheit, ja, sogar der Torheit des „auswendig“ (par coeur) gedenken: dem Igel.
Er macht sich blind. Zur Kugel gerollt, mit Stacheln gepickt, verletzlich und gefährlich, berechnend und unangepaßt. (…)
Kein Gedicht ohne Unfall, kein Gedicht, dass sich nicht wie eine Wunde öffnet, aber auch keines, das nicht genauso verletzend wäre. Jaques Derrida.

 

Vielleicht ist es unumgänglich,
verletzlich

zu sein
und verletzend.

Vielleicht
kommen wir nicht

drumherum,
unsere Wunden zu zeigen

und gleichzeitig
Wunden zu schlagen.

Aber vielleicht verbirgt sich
in jeder offenen

und sich öffnenden
Wunde

das Wunder,
in jeder Verletzung

die Möglichkeit
einer umfassenderen

Heilung,
in jeder Torheit

ein klein wenig Weisheit,
in jedem Segen

ein Fluch
und in jedem Fluch

auch

ein Segen?

 

30.12.2014

Hannah

Quelle: Jaques Derrida: Was ist Dichtung?
In: Auslassungspunkte.

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In der Dunkelheit liegen

 

die Hand
auf dem Herzen,

tief ein
und wieder aus

atmen,
ein

und aus,
ein und aus,

und Ruhe fliesst
durch meine Adern, bis

ich daran denken muss, was du
– vielleicht –

gerade
so machst –

dann aber rast mir
das Adrenalin

durch die Venen, es rast –
und der Neuronensturm

rast los und rast mit!
Mag ich das?

Ich weiß nicht, ob
ich das nun

mag
oder eher nicht mag,

und spielt das überhaupt
eine Rolle?

Liest du gerade jetzt
im Moment

meine Zeilen,
deutest du

die Zeichen,
kommen sie alle an

bei dir?
Tief, tief ein atmen,

und wieder aus,
und dabei denken:

gleich, gleich,
gleich, was geschieht

oder nicht geschieht,
ob sie nun

angekommen sind
bei dir

oder auch nicht,
tief,

tief
atme ich ein

und wieder aus
und ich sage mir: schschsch,

es ist einerlei.
Aber das stimmt nicht.

Und das weißt du
genau

so gut

wie ich.

 

29.12.2014

Hannah

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Heute Morgen

 

Der Rauch
strömt so sanft

durch meine Lungen
heute Morgen,

und da draußen
ist alles

so weiß.
Alles in mir

ist hell
heute Morgen,

alles in mir
singt.

Und mein Geist
schwingt sich

auf
in den hellen

Morgen

Himmel

 

28.12.2014

Hannah

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