Nacht-Worte V / Domino-Worte

 
 
Nur ein Wort streichen –
und alle Worte fallen –
in sich zusammen!
 
 
 
– Ein Gedicht streichen –
und schon fehlt das Binde-Glied
– zum nächsten Gedicht! –
 
 
 
– Domino-Worte. –
Streichst du eins, stürzen alle –
– in sich zusammen! –

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 
Hannah

26.5.2020

9 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

9 Antworten zu “Nacht-Worte V / Domino-Worte

  1. „Domino-Worte“ ist ein wunderbar treffender Ausdruck – die Zerbrechlichkeit der Sinngestalt, die sich mit ihnen bildet, mit einem Wort zuviel oder zuwenig abhanden kommt…Worte, die uns zuvorkommen, nicht gesucht, nur gefunden werden wollen – Weglassen der Worte, die hinzugefügt wurden, bis der Text selbst freigelegt ist, Zulassen der Worte, die am Grund des Textes selbst warten.
    Es ist immer ein Leseerlebnis, zu sehen, wie sich das in Deinen Gedichten Beschriebene in ihnen selbst ereignet…

    Liebe Grüße, Guido

    Gefällt 2 Personen

    • Guten Morgen, lieber Guido,
      ich danke dir vielmals für deinen Kommentar, über den ich mich sehr freue.
      Ja, du verstehst genau und benennst präzise, worum es mir hier geht und wie schwierig dieser Prozess sein kann – dieser Prozess des Entscheidens und des Unterscheidens – zwischen dem, was für den Text entscheidend ist und nicht weggelassen werden kann und dem, was verzichtbar oder sogar zuviel ist. „Weglassen der Worte (…) bis der Text selbst freigelegt ist“ – ja, das trifft es ganz genau.
      Viele liebe Grüße, Hannah
      P.S. Vielleicht ist dieser Prozess in etwa so wie die Arbeit eines Bildhauers, der so lange Teile aus dem Stein heraus schlägt oder schneidet oder feilt, bis die Skulptur frei gelegt ist, die er sich vorgestellt hatte?
      Aber gibt es den eigentlichen Text im Text, den man nur freilegen muss und freilegen kann? Ich weiß manchmal nicht genau, was weg sollte und was nicht…
      Denn manche Gedichte (oder auch Worte) sind an und für sich nicht ganz optimal, scheinen mir aber doch wichtige Binde-Glieder zwischen einem und dem nächsten Gedicht (oder zwischen einem und dem nächsten Wort) zu sein.
      Und heute frage ich mich (schon wieder bzw. immer noch) – wie ich dann mit diesen verfahren sollte…

      Gefällt 1 Person

    • Umschreiben wäre da natürlich die naheliegende Option. –
      Aber auch das fällt mir schwer, zumal ich momentan ja in einer ganz anderen Verfassung und und Stimmung bin als zu dem Zeitpunkt (den Zeit-Punkten), als die jeweiligen Texte entstanden sind.
      Und da kann ein solches Umschreiben natürlich erstens eine Verfälschung bedeuten und zweitens oft nicht ganz stimmig sein.
      Einige wenige Gedichte habe ich umgeschrieben, einige Male hat das geklappt, aber es gelingt (mir) eher selten.
      Und was die Streichungen / Kürzungen anbelangt: was würdest du generell meinen, lieber Guido: Ist es deiner Meinung nach besser, zu viel zu streichen oder zu wenig?
      Oder kann man das so generell nicht sagen?
      Liebe Grüße nochmal, Hannah

      Gefällt 1 Person

      • Liebe Hannah,
        was ich an Deinen Gedichten immer bewundere ist, dass Du Dich den Worten anvertraust, ihrer Bewegung folgst – es lässt Deine Gedichte zu etwas Sich-ereignendem werden.
        Das ist immer der Eindruck, den ich habe, dass es sich um etwas Geschehendes handelt, um ein Wort-Ereignis – das ist das Wort, das mir beim Lesen Deiner Texte kommt und das, was aus ihnen hervorsticht.
        Musil schrieb einmal „Schreiben ist ein Zustand“ – und was mich beeindruckt ist, dass Du Dich diesem Zustand überlässt und er durch die Zeilen hindurch spürbar ist, sie zu etwas Lebendigem werden lässt.
        Entscheidend ist, glaube ich, das man sich dem Ereignis nicht entzieht.

        Vor einigen Tagen hatte ich einen Traum gehabt, der mich so getroffen hatte, dass ich ihn so weit wie möglich niederschreiben wollte,damit nichts davon verlorengeht. Um die Stimmung dieses Traumes festzuhalten, versuchte ich, aus dieser Stimmung zu schreiben, das heißt, ich versuchte es nicht, sondern schrieb aus dieser Stimmung. Beim Schreiben merkte ich, dass ich im Grunde nichts Falsches schreiben konnte, in keiner Überleitung, keiner Beschreibung. Während des Schreiben stellte sich immer nur die Frage nach dem Eigenen,dem Erinnerten.

        Vielleicht liegt hier der Unterschied, ob etwas nur genannt oder etwas ausgesagt ist – Deine Gedichte erinnern an so vieles…

        Liebe Grüße, Guido

        Gefällt 1 Person

      • Guten Morgen, lieber Guido,
        ja, das kenne ich, diese (eher seltenen, ganz besonderen) Träume, in denen alles so real ist, noch realer als die so genannte Wirklichkeit.
        Und es würde mich auch sehr freuen, wenn aus diesem Traum von dir ein Gedicht entstünde.
        Überhaupt ich mich sehr darüber freuen, bald mal wieder ein neues Gedicht von dir zu lesen.

        Liebe Grüße, Hannah

        Gefällt 1 Person

    • Vielen herzlichen Dank für diese deine Worte, lieber Guido…!
      Ich freue mich sehr über das, was du schreibst.
      Und das mit deinem Traum finde ich sehr interessant. Und ja, das ist ein ganz wichtiger Punkt:
      daß man – so wie du es getan hast, als du diesen Traum aufgeschrieben hast – in dieser Stimmung bleibt und aus dieser Stimmung heraus schreibt.
      Deshalb schreibe ich auch so gerne nachts oder sehr früh am Morgen –
      dann ist man oft noch ganz nah an etwas sehr Wesentlichem dran –
      ob man sich nun an einen Traum erinnert oder einfach nur aus dieser sehr intuitiven nächtlichen Stimmung heraus schreibt… (am besten ist es, wenn man sich an einem Traum erinnert, aber das gelingt ja nicht immer… ; )
      Danke nochmals für deine Worte und viele liebe Grüße,
      Hannah
      P.S. Hast du diesen besagten Traum nur für dich selbst niedergeschrieben oder möchtest du eventuell auch ein Gedicht daraus machen?

      Gefällt 1 Person

      • Liebe Hannah, ich möchte gerne ein Gedicht daraus machen, aus dem, was der Traum in mir angestoßen hat – es war einer von den Träumen, die ich einige seltene Male gehabt habe, in denen ich wacher bin, als ich bin, wenn ich wach bin, und in denen alles, was sich ereignet, Unbedingtheit an sich hat, die festzuhalten so schwer wie einfach ist – ich würde mich freuen, wenn es gelingt…
        Liebe Grüße, Guido

        Gefällt 1 Person

      • Nun ist mein Kommentar an dich irgendwie an die falsche Stelle gerutscht (zu weit nach oben) – aber ich hoffe, du wirst ihn dennoch finden, lieber Gudio. Lieben Gruß nochmal, Hannah

        Gefällt 1 Person

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