Das Licht – der Erinnerung

 
I
 
 
Die Nächte sind lang –
ohne das Licht des Mondes
und ohne Worte!
 
 
*
 
 
Die Blätter fallen
mir in die Nächte, ins Wort –
und der Wind braust auf!
 
 
*
 
 
Ich sitze draußen
in diesem Meer von Blättern
wie auf einem Schiff. –
 
 
*
 
 
Um mich herum: nur
Blätter, wirbelnd, fallend –
im stürmischen Wind!
 
 
*
 
 
Blätter bedecken
die Erde, das Gras, den Tisch,
an dem ich schreibe.
 
 
*
 
 
Blätter wie Wellen,
Blätter wie ein goldenes –
wild bewegtes Meer!
 
 
*
 
 
Blätter, deren Fall
ich nicht aufhalten könnte –
wenn ich es wollte!
 
 
*
 
 
Blätter, die fallen,
Blätter, die fallen müssen –
und fallen werden!
 
 
*
 
 
Blätter, die fallen –
in meine Hände, die sie
loslassen müssen!
 
 
*
 
 
Blätter, die ich noch
eine Weile lang halte –
in meinen Händen –
 
 
*
 
 
– ehe sie fallen –
und die Erde bedeckten
wie Wellen – aus Licht!
 
 
*
 
 
Und in ihrem Fall
rufen die Blätter mir zu:
Verabschiede dich!
 
 
*
 
 
Und dies ist der Herbst –
in dem ich weiß, ich werde
dich nie mehr sehen!
 
 
*
 
 
Und dies ist der Herbst
der mir Blätter und Worte
von der Seele reißt – !
 
 
*
 
 
Und meine Seele
sagt mir: siehst du, sieh: dies ist
die Vergänglichkeit!
 
 
*
 
 
Und die Nacht ist lang –
und auch sie wird vergehen –
wie diese Blätter!
 
 
*
 
 
Und die Nacht ist lang –
und die Nacht ist mondlos – doch
nicht: ohne Worte!
 
 
 
II
 
 
 
Die Blätter fallen
wie Worte, die fallen –
und fallen werden –
 
 
*
 
 
– ins goldene Meer
meiner Erinnerungen –
fallen die Blätter!
 
 
*
 
 
Und nichts hält sie auf –
und sie fallen und fallen –
Blätter – wie Worte!
 
 
*
 
 
Und ich zeichne sie
auf – um sie aufzuhalten –
während sie fallen –
 
 
*
 
 
Und sie sagen: vergiß
es – du hältst uns nicht auf – doch
ich vergesse: nicht!
 
 
*
 
 
Nicht: diese Blätter,
nicht: dieses goldene Meer –
der Vergänglichkeit!
 
 
*
 
 
Nicht: deine Worte,
die so behutsam fielen –
wie diese Blätter!
 
 
*
 
 
Und nicht: dein Lächeln,
nicht: deine dunklen Augen,
nicht: deine Liebe!
 
 
*
 
 
Ich vergesse: nicht –
den Fall goldener Blätter –
in die dunkle Nacht!
 
 
*
 
 
Ich vergesse nicht –
den Wind, der den Blättern hilft –
sich abzulösen!
 
 
*
 
 
Ich vergesse nicht
dein Lächeln, nicht: deinen Blick –
und nicht: diesen Herbst!
 
 
*
 
 
Ich vergesse nicht –
wie all die Blätter rauschen –
ins goldene Meer!
 
 
*
 
 
Ich vergesse nicht –
daß selbst die mondlose Nacht
bald abgelöst wird –
 
 
*
 
 
– von der Sonne, die
das goldene Blätter-Meer
bald erleuchten wird!
 
 
 
III
 
 
 
Da erscheint der Mond –
und ein Blatt fällt mir ins Haar –
und ein jedes Blatt –
 
 
*
 
 
– jedes Blatt, das fällt –
sagt: sieh, durch die Lücke fällt
das Licht – des Mondes!
 
 
*
 
 
Ich sehe: den Mond –
und ich sehe: dein Lächeln,
deinen hellen Blick –
 
 
*
 
 
– während die Blätter
fallen, fallen und fallen –
ins goldene Meer!
 
 
*
 
 
Und keiner nimmt mir
den Mond, dein Lächeln, den Schmerz
der Vergänglichkeit!
 
 
*
 
 
Und niemand nimmt mir
den Mond, dein Lächeln, den Blick:
diesen Augenblick!
 
 
*
 
 
Ja, die Nacht ist lang –
doch die Nacht ist nicht endlos!
Sie geht – zu Ende!
 
 
*
 
 
Und der Herbst ist lang –
doch der Herbst ist nicht endlos!
Er geht – zu Ende!
 
 
*
 
 
Und das Meer ist weit –
und nimmt alles in sich auf:
auch: dieses Ende!
 
 
*
 
 
Diese Nacht war lang –
doch auch sie geht: zu Ende –
im Meer – des Morgens!
 
 
*
 
 
Und am Ende steht:
immer und immer: das Licht –
der Erinnerung!

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

21.10.2019

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Das Licht – der Erinnerung

  1. wundervoll!!! die bilder…die farben…und wie du GEGEN die vergänglichkeit „anschrei(b)st“…solange ich deine haikus lese, bewegt sich keine zeit, bin ich in einer art vakuum…danke ❤

    Gefällt 1 Person

    • Vielen lieben Dank, Susanne… !!
      Über deine Worte freue ich mich sehr und ich finde es sehr schön und berührend, dass du
      meine Gedichte so lesen kannst, daß dabei die Zeit für dich stehen bleibt!
      ❤ lichst, Hannah

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