Ruhe nach dem Sturm? / All meine Wünsche

 
I
 
 
Ruhe nach dem Sturm,
dem Ansturm der Gefühle!
Ruhe nun, mein Herz!
 
 
*
 
 
Ruhe nach dem Sturm,
dem Ansturm der Gedanken!
Ruhe nun, mein Geist!
 
 
*
 
 
Ruhe nach dem Sturm,
dem Ansturm meiner Worte!
Ruht nun, ihr beiden!
 
 
 
II
 
 
Ich will nicht ruhen,
entgegnet mein Herz. Ich will
und muß doch: fühlen!
 
 
*
 
 
Ich will nicht ruhen!
spricht nun auch mein Geist. Denken
will ich – und schreiben!
 
 
*
 
 
Mein Herz und mein Geist
sind einer Meinung. Nun gut –
ich schreibe – weiter!
 
 
 
III
 
 
Was willst du fühlen?
frage ich mein Herz. Liebe!
antwortet mein Herz.
 
 
*
 
 
Was willst du denken?
frage ich meinen Geist. Alles!
entgegent er – dreist!
 
 
*
 
 
Alles, spricht nun auch
mein nimmermüdes Herz, will
und muß: gefühlt sein!
 
 
 
IV
 
 
Nicht nur die hellen,
nein, auch die dunklen Gefühle
wollen: gefühlt sein!
 
 
*
 
 
Nicht nur die hellen,
auch die dunklen Gedanken
müssen: durchdacht sein!
 
 
*
 
 
Nicht nur die hellen,
auch die dunkelsten Worte
mußt du aufzeichnen!
 
 
*
 
 
Sonst fehlt der Kontrast –
und von den Kontrasten lebt
ein jedes Gedicht!
 
 
*
 
 
Und lebt denn nicht auch
jedes erfüllte Leben
von den Kontrasten?
 
 
 
V
 
 
Seid ihr nicht müde?
frage ich die beiden. Wollt
ihr niemals: ruhen?
 
 
*
 
 
Wollt ihr nicht schweigen?
frage ich weiter. Wollt ihr
niemals – still sein?
 
 
*
 
 
Wollt ihr nicht sinken –
in die heilsame Stille –
zwischen den Zeilen?
 
 
 
VI
 
 
Endlich herrscht Ruhe –
einen langen, kostbaren
Augenblick lang: Nichts!
 
 
*
 
 
Nichts als die Ruhe
des Herzens und des Geistes
wünschte ich mir! Nichts?
 
 
*
 
 
Nichts? fragt mein Verstand.
Nichts weiter? fragt auch mein Herz.
Nichts – als die Ruhe?
 
 
 
VII
 
 
All meine Wünsche
erfüllen sich: in Wellen.
Auch der nach Ruhe!
 
 
*
 
 
Ruhe nach dem Sturm –
und dann: ein neuer Ansturm –
meiner Gefühle!
 
 
*
 
 
Ruhe nach dem Sturm –
doch dann: ein neuer Ansturm
meiner Gedanken!
 
 
 
XIII
 
 
Unter den Wellen,
in der Tiefe des Meeres,
herrscht immer: Ruhe!
 
 
*
 
 
Unter den Wellen,
in der Tiefe des Herzens,
herrscht heute: Ruhe!
 
 
*
 
 
Ruhe nach dem Sturm!
In der Tiefe des Meeres
ruhe nun, mein Herz!
 
 
 
IV
 
 
All meine Wünsche
erfüllen sich: in Wellen.
Sanft – wiegen sie mich.
 
 
 
V
 
 
Endlich wird es still
in mir und um mich herum –
unter den Wellen.
 
 
*
 
 
Endlich schweigen sie –
obgleich ich weiter schreibe:
über die Wellen!
 
 
*
 
 
Endlich spüre ich
die Ruhe meines Herzens –
auch: in den Wellen!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

16.7.2019

5 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

5 Antworten zu “Ruhe nach dem Sturm? / All meine Wünsche

  1. Julia

    Oh wie wunderschön! Auch dieses Gedicht berührt mich wie das Wasser und die Wellen: kraftvoll, in Bewegung und dennoch ruhig und sanft zeichnet es einen tranformierenden Dialog. ❤

    Gefällt 2 Personen

  2. Ingeborg Meester

    Liebe Hannah,
    Was für ein wundervolles gedicht, wie die wörte sich fügen in die seele hinein, Das berührt alles was man an emotionen durchleben kan.
    Herzlichst aus NL,
    Ingeborg

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    • Vielen lieben Dank für deine Worte, die ich eben erst entdeckte, liebe Ingeborg!
      Manche Kommentare müssen erst frei geschaltet werden und ich entdecke sie erst, wenn ich zufälligerweise in meine Statistik schaue. Jedenfalls freue ich mich sehr über deine Worte!
      Ganz liebe und sonnige Grüße zu dir in die Niederlande
      von Hannah

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