Warte nicht, wirf doch – / Dein Wort will Welten –

 
All die Entwürfe –
und dann: das lange Warten –
auf den großen Wurf?
 
 
*
 
 
Warte nicht, wirf doch –
dein Wort: hinaus – in die Welt!
ruft mein Geist mir zu.
 
 
*
 
 
Dein Wort will hinaus –
hinaus – in die weite Welt –
geworfen werden!
 
 
*
 
 
Dein Wort will Welten
erschaffen und zerstören –
und neu erschaffen!
 
 
*
 
 
Dein Wort will: Alles
ergründen und verkünden –
was verborgen war!
 
 
*
 
 
Dein Wort will frei sein –
will: frei gelassen werden –
will: sich befreien!
 
 
*
 
 
Warte nicht! Wirf – jetzt! –
dein Wort – hinaus – in die Welt!
Schon befreit es – dich!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

15.7.2019

6 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

6 Antworten zu “Warte nicht, wirf doch – / Dein Wort will Welten –

  1. Arabella

    Ich möchte Dir ein paar Zeilen von Ernst Jünger schicken, bei denen ich an Dich und Deine Wortmagie denken musste:

    „Das Amt des Dichters zählt zu den höchsten dieser Welt.
    Wenn er das Wort verwandelt, umdrängen ihn die Geister. Sie wittern, dass Blut gespendet wird.
    Da wird Zukünftiges nicht nur gesehen, es wird beschwören und auch gebannt.“

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Arabella,

      vielen Dank für dieses Zitat, das die ideale Überleitung von meinen gestrigen zu meinen heutigen Gedichten bildet!
      Mit Ernst Jünger tue ich mich zwar offen gestanden schwer, seit ich vor vielen Jahren sein Buch „In Stahlgewittern“ gelesen habe (ein Zeugnis einer – seiner eigenen – schweren Kriegstraumatisierung – aber auch einer gefährlichen Dissoziation und infolgedessen einer Verherrlichung der beiden Weltkriege, die er selbst erlebt und in denen er gekämpt hat) –
      Aber dieses Zitat gefällt mir dennoch, bringt es doch die Macht der Worte – auch seiner eigenen – klar zum Ausdruck.
      Und diese Macht ist immer – und das dürfen wir niemals vergessen – ein zweischneidiges Schwert!

      Liebe Grüße, Hannah

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  2. Arabella

    Da ich den guten Herrn bis dato nicht kannte waren es nur seine Worte, die mich berührten. Das Wort ist eine mächtige Zauberkraft, das ist vielen zu wenig bewusst. Dir natürlich schon, Wortschmiedin.

    Gefällt 1 Person

    • … ja, immer wieder mal wird mir das während des Schreibens bewußt:
      daß Worte mächtig sind. Manchmal fühlt man sich ja, fühlen wir uns ja alle so ohnmächtig, oder? Und doch: wer denken, sprechen und schreiben kann, der hat immer auch eine gewisse (natürlich immer auch relative, aber dennoch nicht zu unterschätzende) Macht. Liebste Grüße, Hannah

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  3. Arabella

    … Und ohne die Geschichte von Herrn Jünger genauer zu kennen, frage ich mich, ob die Verherrlichung der Kriege in denen er gekämpft hat nicht eine copingstrategie war um dem erlittenen und gesehenen Leid „Sinn“ zu verleihen?

    Gefällt 1 Person

    • Ja, ich denke, das wird zum einen eine Strategie gewesen sein, um mit den eigenen Verletzungen und der eigenen Traumatisierung zurande zu kommen, zum anderen und in erster Linie aber auch eine Strategie, um seine eigenen Kriegsverbrechen (vor sich selbst und vor seinen Lesern, fast hätte ich geschrieben, Jüngern… ; ) zu rechtfertigen. „In Stahlgewittern“ ist schon ein erstaunliches Buch.
      Erstaunlich in seiner Ambivalenz, Anschaulicheit und Emotionslosigkeit. Erstaunlich in seiner Kaltblütigkeit.
      Ich konnte es damals kaum fassen. Vielleicht sollte ich es mir nochmal vornehmen, nur, um zu verstehen… denn es ist schon ca 25 Jahre her, daß ich es gelesen habe.
      Liebe Grüße und später mehr per Mail …. ❤ Hannah
      P.S. Dieses Buch hat Jünger berühmt gemacht – und es hat schon sehr vielen Menschen Kopfzerbrechen bereitet!

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