Die Bilder düsterer Zeiten / Vor dem Sommertag

für C.
 
I
 
 
Sieh diese Kinder:
mager, traurig, scheu und stumm!
Die leeren Blicke!
 
 
*
 
 
Sie leben nicht mehr –
und doch leben sie in uns –
weiter – und weiter!
 
 
*
 
 
Was blieb von ihnen
übrig? Nichts als die Zellen,
ihr Fleisch und ihr Blut!
 
 
*
 
 
Nichts als die Zellen,
die Schatten unsichtbarer
Gitterstäbe! Nichts!
 
 
*
 
 
Nichts als der Nachhall
unbarmherziger Schläge!
Nichts – als die Narben!
 
 
*
 
 
Nichts als dieser Schmerz!
Nichts als die Verlorenheit!
Nichts – als das Schweigen!
 
 
*
 
 
Nichts als die Lügen!
Nichts als die Verschwiegenheit!
Nichts – als Verzweiflung!
 
 
*
 
 
Jahre des Schweigens!
Jahre der Trauer, der Wut!
Nichts – als Dunkelheit!
 
 
 
II
 
 
In mir lebt ein Kind:
einsam, traurig, verloren –
und doch – lebe ich!
 
 
*
 
 
Wohin mit dem Kind,
wohin mit all den Bildern
der Vergangenheit?
 
 
*
 
 
Ich zeige sie dir –
möchte sehen, ob du siehst,
wer und wo ich war. –
 
 
*
 
 
Du siehst, wer ich war,
du siehst, wer ich heute bin,
siehst: auch die Schönheit!
 
 
*
 
 
Du spürst das Gefühl
der Verlorenheit, das in mir
nach- und nachhallt!
 
 
 
III
 
 
Doch nun: der Zeitsprung!
Der Sprung vom damals ins Jetzt –
in den Sommertag!
 
 
*
 
 
Allein dieses Wort:
ein Sommermorgen! Der Wind,
die Sonne, das Blau!
 
 
*
 
 
Ein heißer Kaffee
mit Sahne, die frische Luft,
das Blau und das Grün!
 
 
*
 
 
Die Rotbuche glüht,
ins Morgenrotgold getaucht –
und wiegt sich im Wind!
 
 
*
 
 
Die dunkle Erde,
der Regen, der Wind, das Licht
all dieser Jahre!
 
 
*
 
 
Die Buchen glühen
und blühen im Jetzt und hier –
im Sonnenrotgold!
 
 
 
IV
 
 
Mein inneres Kind,
du musst nicht mehr traurig sein!
Sieh nur: die Sonne!
 
 
*
 
 
Sieh nur dieses Licht!
Sieh nur die Farben! Spüre
die Morgenkühle!
 
 
*
 
 
Siehst du: hier bist du
nun angekommen! Hier bist
du endlich: sicher!
 
 
*
 
 
Hier und jetzt: der Tag!
Ein goldener Sommertag
vor dem Himmelblau!
 
 
*
 
 
Schließlich verblassen
die Bilder düsterer Zeiten
vor dem Sommertag!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

20.6.2018

12 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

12 Antworten zu “Die Bilder düsterer Zeiten / Vor dem Sommertag

  1. stark! wunderbar herausgearbeitet, dieser gegensatz – wunderbar hoffnungsvoll.
    liebe grüße!

    Gefällt 3 Personen

  2. Eine vieretappige Phönixballade, die im Herbst beginnt und kurz vor dem Sommer endet. Es macht Mut zu lesen, wie aus der Verletzung Widerstandskraft wurde.

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Sebastian!
      Eine vierettappige Phönixballade – das klingt wirklich gut … ! : )
      Und es freut mich sehr zu lesen, daß diese Gedichte auch Mut machen können … !! Vielen herzlichen Dank für deine Worte
      und liebe Grüße von Hannah

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Hannah, ganz & gar nicht heftig. Ehrlich, direkt aus dem Herzen. Und sieh nur was Du jetzt alles für schöne Dinge siehst!! Alle Liebe zurück!

    Gefällt 1 Person

  4. Arabella

    Ok. Krass. Wie für mich geschrieben.

    Gefällt 1 Person

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