Die Freiheit der Kunst / Die Freiheit dunkler Worte

 
 
Düster: der Morgen –
doch meine Stimmung hellt sich
– von Wort zu Wort – auf!
 
 
*
 
 
Düster: der Himmel –
und ich fasse sein Dunkel
in dunkle Worte!
 
 
*
 
 
Ich ziehe mich nicht
hinter wolkige Worte
zurück! Niemals mehr!
 
 
*
 
 
Der Himmel säuselt
nicht! Mal ist der Himmel grau,
mal blau – und mal schwarz!
 
 
*
 
 
Der Himmel lügt nicht.
Sichtbar sind seine Farben,
sichtbar – für alle!
 
 
*
 
 
Ist der Himmel schwarz,
dann nenne ich ihn auch schwarz!
Heute ist er schwarz!
 
 
*
 
 
Immer noch nehme
ich mir die Freiheit, schwarz als
schwarz zu bezeichnen!
 
 
*
 
 
Ich erlaube mir,
das Schwarze schwarz zu nennen
und das Weiße weiß!
 
 
*
 
 
Versteht sich das nicht
von selbst? könntest du fragen.
Nein, so ist es nicht!
 
 
*
 
 
Als ich ein Kind war,
mußte ich schweigen! Alles
wurde verschwiegen!
 
 
*
 
 
Verschwiegen, vertuscht
wurde alles, jeder Schmerz,
den wir ertrugen!
 
 
*
 
 
Jede Verletzung,
die uns zugefügt wurde,
wurde verschwiegen.
 
 
*
 
 
Wehe wir hätten
das Schweigen gebrochen! Was
wäre geschehen?
 
 
*
 
 
Nicht auszudenken,
was dann geschehen wäre!
Nicht auszudenken!
 
 
*
 
 
Es gab zwei Wege:
den des Rückzugs, der Stille –
und den der Lüge.
 
 
*
 
 
Ich wählte den Weg
der Stille. Ich schwieg. Als Kind
blieb nur: das Schweigen!
 
 
*
 
 
Ich bin kein Kind mehr!
Wenn ich spreche, spreche ich
meine Wahrheit aus.
 
 
*
 
 
Und wenn ich schreibe,
schreibe ich: nichts als meine
eigene Wahrheit!
 
 
*
 
 
Dies ist die Freiheit,
um die ich mein Leben lang
kämpfte. Ich bin frei!
 
 
*
 
 
Niemals mehr kehre
ich in die Gefangenschaft
des Schweigens zurück!
 
 
*
 
 
Manchmal schweige ich,
doch ich verschweige: nichts! Nichts
muß ich verschweigen!
 
 
*
 
 
Was ich verschweige,
entscheide ich heute selbst.
Ich verschweige: nichts!
 
 
*
 
 
Ich verweigere
mich: dem Veschweigen. Ich kann
schreiben: was ich will!
 
 
*
 
 
Die Freiheit der Kunst
ist die Freiheit der Worte
und der Gedanken!
 
 
*
 
 
Die Freiheit der Kunst
ist die Freiheit, die es mir
erlaubt, zu schreiben!
 
 
*
 
 
Die Freiheit der Kunst
gäbe ich um keinen Preis
der Welt wieder auf!
 
 
*
 
 
Ist der Himmel schwarz,
nenne ich ihn schwarz! Könnte
ich ihn blau nennen?
 
 
*
 
 
Ich könnte ihn blau
oder grün nennen! Auch dies
ist meine Freiheit!
 
 
*
 
 
Der Himmel ist grün!
könnte ich schreiben. Auch schön!
Und doch ist er schwarz!
 
 
*
 
 
Ist mein Himmel schwarz,
dann nenne ich ihn auch schwarz!
Langsam – wird es hell!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

13.1.2018

12 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

12 Antworten zu “Die Freiheit der Kunst / Die Freiheit dunkler Worte

  1. Diese lyrischen ‚Bohrungen‘ in den Untiefen des Gemüts lassen erkennen, weshalb dein Schreiben sich so gestaltet, wie es sich gestaltet. Es ist auch ein Plädoyer dafür, die Autorfigur nicht unter allen Umständen zu marginalisieren, gerade weil eine solche sich künstlerisch Ausdruck verschaffende Lebensgeschichte ansonsten gänzlich unverständlich erschiene. – Deinen Gedichten merkt man an, wie sie der Seele abgerungen sind, sich aus emotionaler Aufarbeitung speisen. Oftmals ist es wie ein Akt des Goldschürfens: nach intensiver Bearbeitung des Rohmaterials (der Psyche) lagern sich nach und nach kleine, kostbare Leuchtpartikel ab, die ins Sonnenlicht gehalten werden.

    Gefällt 3 Personen

    • Vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar, über den ich mich freue, lieber Ángel! Zu deinen Worten passen auch die Worte einer Künstlerin, mit der ich befreundet bin und die ich sehr schätze, die mir gerade einfallen.
      Sie, Greta, sagte einmal, das Malen sei Seelenarbeit. So verhält es sich auch mit dem Schreiben, jedenfalls mit meinem.
      Auch das Schreiben ist (unter anderem) Arbeit an und mit der Seele. Und das Rohmaterial? Ist die Seele selbst – aber gleichzeitig auch die Sprache. Ein weites Feld, zu dem mir noch vieles einfiele, aber hier an dieser Stelle und in diesem Moment muß ich mich kurz fassen.
      Herzlichst, Hannah

      Gefällt 2 Personen

  2. Wie kraftvoll Deine Wahrheit in die Freiheit findet!
    Welch Mut sich zu zeigen: schwarz, weiß, bunt
    Möge es heilsam für Dich und alle Deine kindlichen Anteile sein.
    Alles Liebe von Heidrun

    Gefällt 1 Person

  3. Echte Lyrik hat immer! etwas mit mir selbst zu tun.
    Das zeichnet sie aus.
    Liebe Grüße
    Barbara

    Gefällt 1 Person

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