Nachtrag / Nicht: ohne Worte! / Zwischen den Zeilen / Version IV

 
I
 
 
Nachtragend bin ich
nicht – und doch bin ich verletzt!
Lies meinen Nachtrag!
 
 
*
 
 
„Und beide sind wir
glücklich!“ schrieb ich vorgestern
in meinem Gedicht.
 
 
*
 
 
Doch glücklich waren
wir beide nicht! Vereinzelt
litten wir: beide!
 
 
*
 
 
Ich litt an meiner
Melancholie! Ich schrieb sie
mir schön – und schöner!
 
 
*
 
 
Und du? Warst du
denn glücklich – in der Bar, allein?
Nein – und nochmals nein!
 
 
*
 
 
Später bekamen
wir Streit! Du warst beleidigt,
ich war fassungslos!
 
 
*
 
 
All meine Worte
sagten dir zunächst einmal
zu – und dann doch nicht?
 
 
*
 
 
All meine Worte
waren erwünscht – und dann doch
letztlich: unerwünscht?
 
 
*
 
 
Ich richte mich nicht
nach jemandes Wünschen, wenn
ich schreibe, weißt du?
 
 
*
 
 
Ich schreibe, was ich
schreiben will und schreiben muß!
Das verstehst du doch?
 
 
*
 
 
Du hast mich allein
gelassen, um zu trinken.
Das ging in Ordnung!
 
 
*
 
 
Daß ich aber nicht
darüber schreiben darf, das
geht nicht in Ordnung!
 
 
*
 
 
Das war das letzte
Gedicht für dich, sagte ich
dir vorgestern.
 
 
*
 
 
Und dann? Wie ging es
weiter? Wir sprachen uns aus.
Wir sammelten uns.
 
 
*
 
 
Immer noch sind wir
beide dabei, die Scherben
– und uns – zu sammeln!
 
 
*
 
 
Ich nenne dich nicht
mehr „Liebster“. Ich nenne dich
bei deinem Namen.
 
 
*
 
 
Dein Name aber
ist mir immer und immer
noch der Liebste, T.!
 
 
 
II
 
 
Und ich schreibe dir,
T., schon wieder: ein Gedicht!
Ein Scherben-Gedicht!
 
 
*
 
 
Wir werden sehen,
wie es mit uns weiter geht!
Wir gehen: weiter!
 
 
*
 
 
Wir werden diese
Scherben hinter uns lassen:
weit, weit hinter uns!
 
 
*
 
 
Wir werden vorwärts
gehen! Die Melancholie
lassen wir – zurück!
 
 
*
 
 
Und wenn sie mich dann
doch wieder einholt? Dann hilft
mir nur: das Schreiben!
 
 
 
III
 
 
Ich überwinde
die Melancholie und den
Abgrund zwischen uns –
 
 
*
 
 
– mit meinen Worten!
Hörst du? Mit meinen Worten –
die du hier liest!
 
 
*
 
 
Anders geht es nicht
für mich! Anders geht es nicht!
Nicht: ohne Worte!
 
 
*
 
 
Ohne Worte war
ich immer schon: verloren!
Deshalb schreibe ich!
 
 
*
 
 
Auch wenn ich mich nun
um Kopf und Kragen schreibe!
Anders geht es nicht!
 
 
*
 
 
Es geht nicht anders!
Hört du? Verstehst du? Liest du
zwischen den Zeilen?
 
 
*
 
 
Zwischen den Zeilen
stehen immer noch Worte
wie: Lieber, Liebster!
 
 
*
 
 
Nachtragend war ich
nie! Nachtragend bin ich nicht!
Lies: meinen Nachtrag!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

11.1.2017

14 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

14 Antworten zu “Nachtrag / Nicht: ohne Worte! / Zwischen den Zeilen / Version IV

  1. Hui … da bin ich aber froh, dass ich nicht der Angesprochene bin! Starke Worte. Ich muss es morgen noch mal in Ruhe lesen.

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    • Danke dir für deinen Kommentar, liebe Bettina!
      Es freut mich, daß du meine Worte als starke Worte bezeichnest . –
      Diese Worte richten sich ja auch an einen starken Menschen, daher gehe ich davon aus, daß er damit klarkommen wird … ! ; )
      Liebe Grüße, Hannah

      Gefällt mir

  2. Liebe Hannah,
    im Schreiben umkreist und beleuchtest Du das EINE, was Dir Wesentlich ist. Möge es T. fühlen können, wenn er sein Herz öffnet, welch ein Geschenk eine offene und ehrliche Wahrheit – mit Liebe und Klarheit verbunden – sein kann.
    Und welches Licht nimmst Du in ihm wahr? Vielleicht hilft auch das weiter?
    Alles Gute für EUCH
    Heidrun

    Gefällt 1 Person

    • Danke dir vielmals für deinen erhellenden Kommentar, liebe Heidrun!
      Ja, tatsächlich sehe ich sehr viel Licht in ihm – und ich sehe ihn umgeben von Licht. Und er sieht auch das Licht in mir.
      Es gab da eine dunkle Nacht, doch inzwischen haben wir beide Licht in die Sache gebracht.
      Manchmal erhellen unsere Worte, wenn sie nur klar und ehrlich sind,
      die tiefste Dunkelheit. Und sowohl seine als auch meine Worte waren klar und ehrlich – und niemals lieblos.

      Liebe und lichte Grüße,
      Hannah

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  3. Gerne! Und ich danke dir für deine schönen Kommentare, liebe Heidrun … !
    ❤ Hannah

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  4. Eine sehr kraftvolle Gedichtreihe. Man kann nur erahnen, wie ungemein tief du in den Kern des Erlebnisses vorgedrungen bist, liebe Hannah.

    Gefällt 1 Person

  5. Wo sind die Haikus, die sie erwähnte? Dachte ich, bevor ich vorhin noch mal las. Es dauerte noch eine Weile, bis ich begriffen hatte. Alter Schwede! Wie machst du das nur? Ich würde fünf Jahre brauchen, soviele Haikus zu formulieren und dann auch noch in einer Abfolge, die so etwas Tolles ergibt. Ich ziehe meinen Hut heute Abend – Bettina

    Gefällt 1 Person

    • oh … vielen lieben Dank … ! : ))
      Seit zweieinhalb Jahren schreibe ich fast täglich Gedichte, meistens Haikus, daher schreibe ich sie inzwischen sehr schnell …
      Für einen Kommentar brauche ich oft länger als für einen Haiku – da muß ich länger überlegen … ; )
      Die Haikus schreibe ich ja aus meinem Gefühl heraus, da überlege ich meist nicht allzu lange.
      Aber dafür bearbeite ich sie später manchmal nochmal, daher auch die vielen Versionen.
      Und ja, ich zähle natürlich die Silben, um zu sehen, ob alles stimmt und paßt … ! ; )
      Liebe Grüße, Hannah

      Gefällt 1 Person

      • Du siehst mich immer noch beeindruckt – beeindruckt und amüsiert, dass mir die Sache mit den Haikus bis hierher entgangen war. Ich rätselte, welche Struktur dahinter liegt, aber ich sah sie nicht 🙂 Jetzt lese ich deine Kunst noch mal mit ganz anderen Augen.

        Gefällt 1 Person

  6. Danke dir, liebe Bettina!
    Ich glaube, viele oder jedenfalls einige Leser wissen oder merken nicht, daß es sich bei meinen Gedichten zumeist um Haikus handelt. Das macht aber nichts … ! Einerseits ist es natürlich schwieriger, einen Haiku zu schreiben, andererseits aber in folgender Hinsicht wieder leichter, zumindest für mich:
    man muß immer nur fünf bzw. sieben Silben weit denken –
    und dann ergibt sich die nächste Zeile oftmals von selbst, jedenfalls meiner Erfahrung nach. Und: man ist gezwungen, sich kurz zu fassen und die Dinge auf den Punkt zu bringen. Bis zum nächsten Haiku … ! ; )
    Viele liebe Grüße, Hannah

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