Schmaler Sichelmond / Ein Haiku bist du!

 
I
 
 
Langsam muß ich mich
befreien – von den starren
Formen! denke ich.
 
 
*
 
 
Aber nein, ich muß
gar nichts! denke ich mir dann,
muß nichts – als schreiben!
 
 
*
 
 
Was ich schreibe, bleibt
– in welcher Form auch immer –
bleibt: mir erhalten!
 
 
*
 
 
Möchte ich mich denn
nun – behutsam – befreien –
von der strengen Form?
 
 
*
 
 
Nein! Sie gibt mir Halt –
die Form des Haiku! Sie gibt
dem Wort: seinen Halt!
 
 
*
 
 
Ohne diese Form
uferten die Gedanken
– womöglich – noch aus!
 
 
*
 
 
Darf ich mir langsam
erlauben, mich dann und wann
treiben zu lassen?
 
 
*
 
 
Aber ja doch! Dann
und wann treibe ich dahin
– formlos, ziellos – doch!
 
 
*
 
 
Doch zunächst einmal
möchte ich nur weiter –
und weiter schreiben!
 
 
 
II
 
 
Den Dezembermond
fasse ich ins Auge – und
in meine Worte.
 
 
*
 
 
Hat nicht auch der Mond
eine feste Form? Ufert
die Mondsichel – aus?
 
 
*
 
 
Schmal ist sie – doch hell
erleuchtet sie den Himmel!
Hell – wie ein Haiku!
 
 
*
 
 
Schmal ist sie und hell,
die Sichel, wie ein Haiku:
scharf – und präzise!
 
 
*
 
 
So teilt er sich mit:
schmal und hell, scharf und präzise –
der Dezembermond!
 
 
*
 
 
Geschichten erzählt
er: in Form von Gedichten –
über den Winter.
 
 
*
 
 
Schmaler, heller Mond!
Kunstwerk aus Licht, geboren
aus der Dunkelheit!
 
 
*
 
 
Er tanzt nicht aus der
Reihe der Sterne! Er bleibt,
was er ist: mein Mond!
 
 
 
III
 
 
Er teilt uns sein Licht
mit, teilt es mit uns – in den
dunkelsten Nächten!
 
 
*
 
 
Schmaler Sichelmond!
Die Dunkelheit des Himmels
teilst du – scharf – entzwei!
 
 
*
 
 
Und doch entzweist du
keinen der Sterne! Niemals
entzweist du – einen!
 
 
*
 
 
Schmaler Sichelmond!
Du bildest eine Einheit –
mit dem Nacht-Himmel!
 
 
*
 
 
Streng ist deine Form,
scharf und präzise das Bild,
das du uns mit-teilst!
 
 
*
 
 
Schmaler, heller Mond!
Ich komme nicht umhin, dich
ins Wort zu fassen!
 
 
*
 
 
Ein Haiku bist du!
So sparsam und präzise –
und doch: erhellend!

 
 

 
 

 
 

 
 

 

 

 
 

 
 

 
 
Hannah

24/12/17

4 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

4 Antworten zu “Schmaler Sichelmond / Ein Haiku bist du!

  1. ❤ wie schön…dein nacht haiku! bringst uns den mond mit! vielen dank!

    Gefällt 1 Person

  2. Der Mond? Oh, doch er ufert aus. Seine Form verändert sich ständig, doch wahrt er seine Grenzen. Seine Tragweite ist enorm … Ebbe und Flut … Ebbe und Flut 🙂 Mir gefällt diese ständige Bewegung, liebe Hannah.
    Ich wünsche Dir eine gute Zeit und friedliche, doch bewegte Feiertage.
    Herzlich

    Barbara

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Barbara,

      wie schön, von dir zu lesen … !

      Ja, du hast vollkommen recht – seine Form verändert sich ständig, doch er wahrt seine Grenzen, der Mond. Und ja, auch mir gefällt die ständige Bewegung – die ja nichts Willkürliches, Unberechenbares an sich hat,
      sondern immer nachvollziehbar und sogar voraussehbar ist.
      Immer anders und doch immer derselbe, der Mond!
      Ich wünsche dir und deinen Lieben ein frohes Fest und alles Liebe,
      von ❤ en,
      Hannah

      Gefällt mir

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