Rendezvous / Unter aller Unlust

 

I
 
 
Jeden Morgen bin
ich verabredet: mit ihm –
zum Schreib-Rendezvous.
 
 
*
 
 
Es kann überall
stattfinden. Meistens aber
im Arbeitszimmer.
 
 
*
 
 
Morgens finde ich
mich ein: in diesem Zimmer
mit Blick zum Garten.
 
 
*
 
 
Mal motiviert, mal
eher lustlos – wie heute –
begegne ich: ihm.
 
 
*
 
 
Morgens finde ich
mich ein: in diesem Zimmer
und treffe: das Wort.
 
 
 
II
 
 
Wieso erscheine
ich hier – auch wenn ich keine
Lust dazu habe?
 
 
*
 
 
Weil sich unter der
Unlust immer auch die Lust –
am Schreiben – verbirgt!
 
 
*
 
 
Weil unter aller
Unlust immer auch Lust steckt!
Ich decke sie – auf!
 
 
*
 
 
Ich ziehe ihr die
Decke – aus Bequemlichkeit
und aus Trägheit – weg!
 
 
*
 
 
Ich decke sie auf:
die nackte, noch fröstelnde
Lust – an den Worten!
 
 
*
 
 
Ich hülle sie ein:
in warme Worte – die Lust –
damit sie nicht friert!
 
 
*
 
 
Ich hülle sie ein –
in die Farben des Morgens –
und die des Regens!
 
 
 
III
 
 
Nun ist sie erwacht,
die Lust an den Worten – und
sie wartet: auf mehr!
 
 
*
 
 
Mehr und mehr Worte
finden sich ein – und treffen
nun – aufeinander!
 
 
*
 
 
Nun treffen sie sich,
schmiegen sich aneinander,
wärmen einander.
 
 
*
 
 
Keines der Worte
möchte alleine bleiben!
Nun sammeln sie sich.
 
 
*
 
 
Es scheint, als fände
ihr Treffen ohne mich statt –
wenn alles gut läuft!
 
 
 
IV
 
 
Wenn alles gut läuft,
bleibt mein Ich im Hintergrund
bei diesen Treffen.
 
 
*
 
 
Mein wachsames Ich
schläft ein – während die Worte
morgens erwachen.
 
 
*
 
 
Mein wachsames Ich
vergißt dann, meine Worte
zu überwachen!
 
 
*
 
 
Es läßt die Worte
tanzen, solange sie Lust
dazu verspüren!
 
 
*
 
 
Irgendwann werden
die Worte müde, legen
sich wieder schlafen.
 
 
 
V
 
 
Nun erwacht mein Ich!
Aufmerksam liest es sich durch,
was geschrieben steht.
 
 
*
 
 
All meine Worte
hatten sich eingefunden –
zum Schreib-Rendezvous!
 
 
*
 
 
Was sie da wieder
fabrizierten des Morgens!
Wie finde ich das?
 
 
*
 
 
Vor allen Dingen
finde ich es gut, daß sie
alle erschienen!
 
 
*
 
 
Und ich finde mich
wieder – hier auf dem Papier –
in meinen Worten!
 
 
*
 
 
Unter der Unlust
der Worte leide ich nicht!
Ich verwandle sie!
 
 
*
 
 
Ich verwandle sie
– oder sie wandelt sich selbst –
immerzu: in Lust!

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

22/12/17

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