Verloren / Im Haus meiner Träume

 
 
Heute träumte ich
von einem zu großen Haus,
zu vielen Zimmern.
 
 
*
 
 
Einige Zimmer
kannte ich kaum. In jedem
Zimmer stand ein Bett.
 
 
*
 
 
In vielen dieser
Betten hatte ich niemals
geschlafen. Traurig –
 
 
*
 
 
Traurig! dachte ich.
Zu viele leere Räume!
Zu viele Betten!
 
 
*
 
 
Draußen: der Sommer.
Draußen: die Freunde. Drinnen:
die kühlen Zimmer.
 
 
*
 
 
In Italien,
dachte ich, war alles gut.
Hier im Norden nicht!
 
 
*
 
 
Ein seltsamer Traum.
Ein trauriger Traum. Ein Traum
vom Verloren-Sein.
 
 
*
 
 
Zu viele Räume!
Zu viele leere Betten!
Zu wenig Freude!
 
 
*
 
 
Was sagt mir der Traum?
was teilt er mir mit? Wie soll
ich ihn verstehen?
 
 
*
 
 
Immerzu träume
ich von zu großen Häusern,
zu vielen Betten!
 
 
*
 
 
Mein Traumhaus ist klein,
behaglich und gemütlich!
Die Wände sind bunt!
 
 
*
 
 
Es gibt genügend
Betten – doch nicht zu viele –
in meinem Traumhaus!
 
 
*
 
 
Mein Traumhaus ist nicht
das Haus, das mir nachts im Traum
– viel zu groß – erscheint!
 
 
*
 
 
Das Haus, das mir nachts
im Traum erscheint, wird das Haus
meiner Kindheit sein!
 
 
*
 
 
Freudlos, viel zu groß
war das Haus meiner Kindheit!
Verloren war ich!
 
 
*
 
 
Verloren in der
Leere der Räume – doch ich
verließ dieses Haus!
 
 
*
 
 
Für immer ließ ich
es hinter mir, dieses Haus –
doch nachts taucht es auf!
 
 
*
 
 
Dann und wann erscheint
es mir noch im Traum. Vergiß
mich nicht! spricht das Haus.
 
 
*
 
 
Wieso darf ich dich
nicht vergessen? frage ich
dieses alte Haus.
 
 
*
 
 
Du bewohntest mich!
spricht das Haus, daher bin ich
ein Teil – deiner selbst!
 
 
*
 
 
Erkunde jeden
meiner Räume, schlafe in
all meinen Betten!
 
 
*
 
 
Dann lasse ich dich
weiter ziehen, dann lasse
ich dich – endlich – los!
 
 
*
 
 
Ich versuche es,
antworte ich. Und das Haus
meiner Seele – schweigt.

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 
Hannah

21.12.2017

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Verloren / Im Haus meiner Träume

  1. Ganz spontan dachte ich, du sollst alles begreifen/beleuchten, was dort geschehen ist, auch die dunkelsten Kapitel, evtl Dunkelheit in dir. Womöglich wirst du dann erst frei sein.
    Viele leere Kammern können gleichzeitig bedeuten, dass in dir noch viel ungenutzter Raum ist, viel Platz für Neues und die Gelegenheit aus dem Schlechten vielleicht noch etwas Gutes zu machen.
    Wie gesagt, nur spontanes Aufleuchten.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, genau so habe ich den Traum auch interpretiert, liebe Caroline … !
      Deine spontanen Eingebungen treffen sozusagen ins Schwarze!
      Seltsamerweise dachte ich gerade eben über die dunklen Kapitel meines Lebens nach – und darüber, daß es wohl wichtig sein könnte, dort noch mehr Licht hineinzubringen – und in diesem Moment traf dein Kommentar ein. Nicht, daß ich dies nicht schon vorher versucht hätte, aber es gibt eben immer noch dunkle Stellen / dunkle Räume im Inneren.
      Und dann diese vielen leeren Zimmer, die immer wieder auftauchen …
      Platz für Neues, das ist eine sehr schöne Interpretation!
      Danke dir vielmals für deinen erhellenden Kommentar
      und viele liebe Grüße,
      Hannah

      Gefällt 2 Personen

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