Sehnsucht / Nach der Stille

 
Funkelnde Sterne
über dem Wald. Was fehlt mir?
Nur Stille. Stille!
 
 
*
 
 
Ständig die Stimmen,
die mir dazwischenfunken!
Was fehlt? Die Stille!
 
 
*
 
 
Nur in der Stille
kann ich ich selbst sein. Was fehlt?
Ein Ort der Stille!
 
 
*
 
 
Ihr plaudert, ihr lacht –
Ich sehne mich nach Stille!
Weshalb bin ich hier?
 
 
*
 
 
Zum Schreiben bin ich
hier! Zum Schreiben geboren –
und nicht zum Plaudern!
 
 
*
 
 
Die Sterne funkeln
über dem nächtlichen Wald!
Die Sterne schweigen!
 
 
*
 
 
Könnt ihr nicht still sein?
Nicht schweigen? Nicht einmal nachts?
Könnt ihr nicht schlafen?
 
 
*
 
 
Seht ihr die Sterne
funkeln? Seht ihr den Mond? Spürt
ihr die Dunkelheit?
 
 
*
 
 
Es dunkelt bereits
und die Sterne funkeln still
durch eure Worte.
 
 
*
 
 
Was unterscheidet
das gesprochene von dem
geschriebenen Wort?
 
 
*
 
 
Nur dies: die Stille,
die die Sterne sacht umfaßt,
dort, über dem Wald!
 
 
*
 
 
Meine Sehnsucht wächst
bis in den nächtlichen Wald!
Sie gilt: der Stille.
 
 
*
 
 
Endlich wird es still.
Jemand gähnt. Endlich schlaft ihr –
und die Nacht – erwacht.
 
 
*
 
 
Glänzend erwacht sie –
in all ihrer Herrlichkeit!
In aller Stille.
 
 
*
 
 
Die Sterne schweigen.
Die Dunkelheit schweigt. Mein Kind
ruft nach mir. Mami!
 
 
*
 
 
Legst du dich zu mir?
Allein schlafe ich nicht ein!
Ja, ich komme gleich!
 
 
*
 
 
Die Worte schwinden.
Bald hüllt die Stille mich ein
wie ein Federbett.
 
 
*
 
 
Die große Tochter
taucht plötzlich auf. Sie möchte
mir etwas sagen:
 
 
*
 
 
Ich hab so ne App,
damit kann man die Sterne
fotografieren!
 
 
*
 
 
Mit diesen Worten
entschwindet sie nach draußen –
und das Kind erwacht!
 
 
*
 
 
Kinder, die Stille
brauche ich, um zu atmen!
Braucht ihr sie denn nicht?
 
 
*
 
 
Nein, ihr braucht sie nicht!
Vielleicht, wenn ihr größer seid?
Wir werden sehen!
 
 
*
 
 
Nun hüllt mich die Nacht
in ihr funkelndes Schweigen –
nur die Türe knarrt.
 
 
*
 
 
Die Böden knarzen,
die Grillen zirpen. Ein Kind
beginnt zu weinen.
 
 
*
 
 
Es ist nicht mein Kind,
das weint! Es ist nicht mein Wort,
das ich nun schreibe!
 
 
*
 
 
Ich schreibe nichts mehr.
Im Traum erfüllt mich: Stille –
und mein Wort – erwacht!

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

12.8.2017

6 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

6 Antworten zu “Sehnsucht / Nach der Stille

  1. Julia

    Sehr schöne Worte, lebendig und doch im Verlauf stiller werdend.
    Oh, ich sehne mich auch nach der Stille unter dem Sternenhimmel!

    Gefällt 1 Person

  2. Da ist so viel Raum für Stille zwischen deinen Worten. Ich kann sie hören! Danke! Sie verleiht deinen Worten ihr „Worte-wie-Sterne-SEIN“.
    Liebe Grüße von Heidrun

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Heidrun,

    heute nacht konnte man hier in der Toskana ganz viele Sternschnuppen sehen…
    Bei euch auch?

    Alles Liebe zurück zu dir,
    Hannah

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s