Die Zeit der Stille / Das Lied, das ich nicht singe / Und ich singe: doch!

 
Die Zeit der Stille
ist vorbei – und nicht vorbei!
Ich singe: schweigend!
 
 
*
 
 
Ich kann nicht schreiben –
über das, was mich bewegt –
denn ich gab: mein Wort!
 
 
*
 
 
Die Zeit der Stille
war erholsam und friedlich!
Nun ist sie vorbei!
 
 
*
 
 
Tausende Stimmen
melden sich zu Wort. Ja doch!
Ich höre euch zu!
 
 
*
 
 
Tausende Worte
übertönen die Lieder
des Frühlings-Morgens!
 
 
*
 
 
Kann ich nicht still sein –
nur einen Augenblick lang –
dem Frühling lauschen?
 
 
*
 
 
Die Vögel singen,
die Bienen summen. Regen
liegt schon in der Luft!
 
 
*
 
 
Draußen: die Lieder
des Frühlings. In mir das Lied –
das ich nicht singe!
 
 
*
 
 
Draußen: die Harmonie.
In mir: das Chaos. Alles
blüht: auch das Chaos!
 
 
*
 
 
Das Unsagbare
sagen: Ist dies Poesie?
Ich singe: schweigend.
 
 
*
 
 
Ich singe das Lied
meines Ursprungs: Ich singe
wie früher: schweigend!
 
 
*
 
 
Die Last des Schweigens
fällt mir ins leichteste Wort,
füllt es: mit Schwermut!
 
 
*
 
 
Die Schwere, der Mut
finden sich – und setzen sich
zusammen. Schwermut!
 
 
*
 
 

Lichtes und Dunkles,
Leichtes und Schweres treffen
zusammen: im Wort.
 
 
*
 
 
Dunkel und glänzend
ist mein Stoff – wie der Himmel
einer Sternennacht!
 
 
*
 
 
In der Dunkelheit:
die vereinzelten Sterne
einzelner Worte.
 
 
*
 
 
Wie der Regen fällt
auf die trockene Erde –
das tropfende Wort!
 
 
*
 
 
Tropfen für Tropfen
versiegt es, von der Erde
verschluckt. Lautlos. Stumm.
 
 
*
 
 
Ich schweige: schreibend.
Ich schreibe: schweigend. Mein Wort
wahrt sein Geheimnis!
 
 
*
 
 
Schweigen und doch nicht
schweigen: ist dies Poesie?
So muß es wohl sein!
 
 
*
 
 
Wie bringe ich es
zu Gehör: mein lautloses
Wort? Wie nur? Ja, wie?
 
 
*
 
 
Metaphern tropfen
und trotzen dem Schweigen!
Trotzig! Ergiebig!
 
 
*
 
 
Ich ergebe mich
nicht: dem Gebot, zu schweigen!
Ich schreibe: weiter!
 
 
*
 
 
Das Wort verweigert
sich mir nicht. Das Wort umkreist
– lautlos – die Stille!

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
Hannah

3.4.2017

8 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

8 Antworten zu “Die Zeit der Stille / Das Lied, das ich nicht singe / Und ich singe: doch!

  1. claudia

    liebe Hannah, manchmal frag ich mich selbst, warum bestimmte innere bilder beim lesen entstehen. dein text versetzte mich unvermittelt in eine Arena. stier und Torero stehen sich ebenbürtig gegenüber. nichts deutet auf den sieger hin. beim lesen war der kampf, der mut aber auch die angst und die Anspannung ganz stark zu spüren.
    ich grüsse dich ganz herzlich

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Claudia,

      ja, das stimmt, das Schreiben war in den letzten Tagen (und so auch gestern) eine Art Kampf…!
      Heute werde ich vermutlich gar nicht zum Schreiben kommen…

      Aber wenn ich wieder dazu komme, dann wird es hoffentlich kein Kampf mehr sein….!!

      Viele liebe Grüße – und danke dir für deine Worte….!!

      Hannah

      Gefällt mir

  2. Der Text berührt mit seinen Bildern, Sätzen und Fragen. Alles hat seine Zeit: schweigen, singen, sprechen, schreiben.

    Gefällt 1 Person

  3. Julia

    Und welch wunderbare und magische Poesie auch Deine stillen Lieder erschaffen! Tief berührend.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s