Ein kleines Picknick / Waldbaden / Wenn du traurig bist

 

I
 
 
 
Ein kleines Picknick
im Wald: ein Muffin. Der Wind
kühlt – die Sonnenglut.
 
 
*
 
 
Der Wind weht alle
Sorgen fort. Die Sonne wärmt
die Haut – und mein Wort.
 
 
*
 
 
Als Kind wollte ich
immer ausreißen – um hier,
im Wald, zu leben.
 
 
*
 
 
Nein, nicht hier im Wald!
In einem anderen Wald –
noch weiter draußen.
 
 
*
 
 
Wenn ich mit dem Bus
zur Gitarrenstunde fuhr,
sah ich jenen Wald.
 
 
*
 
 
Hier könnte ich mir
ein Lager bauen! – dachte
ich mir: zum Schlafen!
 
 
*
 
 
Statt dessen las
ich Bücher über Kinder
aus dem Waisenhaus.
 
 
*
 
 
David Copperfield
und andere Geschichten.
Sie trugen mich – fort.
 
 
*
 
 
Sie trugen mich fort –
in andere Welten – weit
weg von Zuhause!
 
 
*
 
 
Ich kehrte zurück –
aus der Welt meiner Bücher –
und ging in den Wald!
 
 
*
 
 
So oft es nur ging,
streifte ich: durch die Wälder.
Meistens alleine.
 
 
*
 
 
Nun lebe ich hier:
nicht mitten im Wald – doch nicht
weit weg vom Waldrand!
 
 
*
 
 
Bin ich zufrieden?
Ja, ich bin glücklich hier –
am Rand des Waldes!
 
 
 
II
 
 
 
So oft es geht,
suche ich die Lichtung auf –
um hier zu baden.
 
 
*
 
 
„Waldbaden“ nennen
die Japaner dieses Sein
und Ruhen – im Wald.
 
 
*
 
 
Sie empfehlen es:
gegen Kummer und Sorgen,
dieses „Waldbaden“.
 
 
*
 
 
Ein schönes Wort, denk`
ich mir – und schreibe es auf –
hier – mitten im Wald.
 
 
*
 
 
Im Wald finde ich:
Wurzeln, Beeren, Ruhe, Licht,
Schatten – und mich selbst!
 
 
*
 
 
Unterm Blätterdach
finde ich: Schatten und Schutz –
vor Schnee und Regen!
 
 
*
 
 
Hier auf der Lichtung
finde ich: Sonne, Ruhe –
und Inspiration!
 
 
*
 
 
Ich gehe waldwärts,
schlage mich durchs Unterholz,
wann immer es geht!
 
 
*
 
 
Die Birkenstämme
ragen hell in den blauen
Himmel: schwarz-weiß!
 
 
*
 
 
Die Tannenzapfen
liegen – weit verstreut – im Moos.
Ich sitze: im Moos.
 
 
*
 
 
Zart und weich: das Moos.
Um mich herum: nur Bäume –
und Vogelgesang!
 
 
*
 
 
So klingt der Frühling
mitten im Wald: sanft, doch laut,
vielstimmig – und hell!
 
 
*
 
 
Die Symphonie
des Waldes berührt mein Herz:
tief! Hoch! Vielstimmig!
 
 
*
 
 
Genug gebadet –
im Wald. Ich gehe heimwärts,
dem Waldlied lauschend.
 
 
 
III
 
 
 
Wenn du traurig bist,
geh`in den Wald – denn er heilt
dich – mit seinem Lied!
 
 
*
 
 
Setze dich ruhig
und still in das weiche Moos!
Lausche: dem Waldlied!
 
 
*
 
 
Wind in den Bäumen,
dazu das Lied der Vögel:
Sanft klingt: das Waldlied!
 
 
*
 
 
Morgen werde ich
wieder die Lieblings-Lichtung
aufsuchen – gleich hier!
 
 
*
 
 
Und diesen ruhigen –
Platz: im Unterholz, im Moos –
um dort: zu baden.
 
 
*
 
 
Sonntags gehe ich
nicht gerne runter zum Fluß:
zu viele Menschen!
 
 
*
 
 
Doch baden kann man
auch im Wald: in der reinen
Luft, im Grün, im Licht!
 
 
*
 
 
Ich zehre vom Licht-
und Schattenspiel des Waldes –
und von seinem Lied!
 
 
*
 
 
Auf bald – und danke
für deine Gastfreundschaft, Wald!
Auf Wiedersehen!

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 
Hannah

12.3.2017

11 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

11 Antworten zu “Ein kleines Picknick / Waldbaden / Wenn du traurig bist

  1. Oh ja, schön, ich mag es auch das ‚Waldbaden‘ 🙂
    Liebe Grüße Ariana

    Gefällt 2 Personen

  2. Constanze Fruth

    Liebe Hannah, die sind alle, alle miteinander so toll und wahr!
    Jetzt wo ich auch so oft im Wald bin…ja so ist es…

    Gefällt 2 Personen

  3. Wunderschön, dieses
    Waldbaden… ☺
    Liebe Morgengrüße
    vom Lu

    Gefällt 1 Person

  4. wunderbarst! „waldbaden“ gehört ab jetzt zu meinem wortschatz. 🙂
    liebste morgengrüße zu dir,
    diana

    Gefällt 1 Person

  5. claudia

    guten liebe Hannah,
    auch in meiner Kindheit war der wald mir Zuflucht und freund
    es gab eine stelle, die wurde von den meisten gemieden, denn ein sehr steiler weg führte an einen tiefer gelegenen Bachlauf. am besten barfuß zu erreichen auf allen vieren. aus dem boden tretende wurzeln dienten als tritt und festhalten konnte man sich daran auch.
    dein gedicht hat mir erinnert an die Freude und den frieden im grünen Meer 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Wie schön, wenn man auf solche Erinnerungen zurückblicken kann!
      Ja, einen Bach gab es damals bei uns auch, und dort haben wir oft gespielt – alleine, unbeaufsichtigt – was heute fast undenkbar wäre…! ; )
      Man hatte mehr Freiheiten als die meisten Kinder heute, oder?
      Gut, das hatte auch Nachteile – aber es war auch schön, einfach frei in der Natur herumspazieren, -laufen und spielen zu können… !
      Helikoptereltern gab es damals – so weit ich weiß – noch keine –
      jedenfalls gab es diesen Begriff noch nicht… ! ; )

      Viele liebe Grüße und einen schönen Morgen für dich ❤
      von Hannah

      Gefällt 1 Person

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